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SERIE: CAMEN TAGEBUCH

In einer Art Tagebuch werden wir alle 2 Wochen einen neuen Eintrag von Camen auf hitparade.ch veröffentlichen. Erlebe aus der Sicht eines Künstlers Konzertberichte, Hintergrundberichte und alles weitere, was ein Sänger in einem Konzertsommer erlebt:
  • Bericht vom Mundartfestival in Brütten
  • Open-Air Hoch Ybrig mit Paul Camilleri
  • Weitere Gigs
  • Studioarbeiten
  • Unvorhersehbares
Inhaltsverzeichnis:
14.05.2007: Mein bisheriger Weg in meinen Worten
03.06.2007: Konzert in Brütten am MundArt-Festival
25.06.2007: Open Air Hoch-Ybrig
29.07.2007: Gig in der Reithalle
23.09.2007: Ein Konzert-Tag im Leben von Camen



14.05.2007: Mein bisheriger Weg in meinen Worten

Es freut mich sehr für hitparade.ch ein Tagebuch führen zu dürfen. Ich möchte mich gerne zuerst vorstellen und ein bisschen über mein bisheriges Leben als Musiker erzählen, so dass Ihr auch wisst, wer hier überhaupt schreibt.

Mein Name ist Pascal Camenzind, ich bin in Winterthur geboren aber auch Bürger vom schönen Gersau SZ am Vierwaldstättersee. Für meine Karriere als Sänger habe ich meinen Namen vor einigen Jahren zu "Camen" gekürzt. Bis zum heutigen Tag war meine Karriere eine richtige "Berg-und-Tal-Bahn": Ich erlebte zahlreiche unglaublich schöne Momente, z.B. meine ersten Auftritte mit einer professionellen Band als ich 10-Jährig war. Ich imitierte damals meine Vorbilder wie etwa Shakin' Stevens, Michael Jackson oder Stevie Wonder in Hotels, an Banketten oder in Festhallen. Für mich unvergesslich bleiben auch die vielen Wettbewerbe, die ich mit meiner ersten Band "Mighty Sharp" im alter zwischen 13- und 16 Jahren gewinnen durfte. Da waren richtig "dicke Dinger" dabei z.B. der Von SAT 1 & der Jugendzeitschrift Popcorn organisierte europäische Wettbewerb "Talent Explosion" (so etwas ähnliches wie DSDS, nur mussten wir unsere Songs selber schreiben und spielen), bei dem wir aus 208 Finalisten zur besten Band gekürt wurden oder der Radio 24 Wettbewerb, an dem wir im Zürcher "Kaufleuten" zur besten Band des Kantons Zürich gewählt wurden. Weitere Highlights waren meine Europa-Tourneen mit DJ Bobo oder *N Sync (Justin Timberlake), mein erster Plattenvertrag bei Yes Music/EMI sowie die Hitparaden-Erfolge mit meinem Album "Twelve" und einigen Singles. Ach ja, und wir durften in Deutschland als Vorgruppe von meinem damaligen Idol, der Soul-Diva Chaka Khan, auftreten…ein weiteres Highlight.

Natürlich gab es auch die anderen Momente, die schwierigen Momente. Zeiten in denen es einfach nicht richtig vorwärts ging, negative Erlebnisse mit Plattenfirmen und Managern oder Frust weil Radiostationen meine Songs aus für mich unerklärlichen Gründen nicht spielten. Dinge, die schmerzen oder einfach nur ärgerlich sind. Die Tücken dieses Geschäfts eben.

Eines aber darf ich in voller Ehrlichkeit sagen: Ich dachte keine einzige Sekunde in meinem Leben jemals daran, die Musik an den Nagel zu hängen. Songs zu schreiben, auf der Bühne zu stehen, Menschen zu unterhalten, zu singen bereitet mir unbeschreiblich viel Freude und täglich erfahre ich, dass es viele Menschen gibt, die meine Musik und meine Stimme schätzen und lieben. Es klingt abgedroschen, denn dieser Satz wird von irgendwelchen Pseudo-Sängern viel zu oft gesagt, ich höre ihn beinahe jeden Tag aber ich sage ihn trotzdem, weil er in meinem Fall wirklich zutrifft: die Musik ist mein Leben. Sie gehört zu mir wie ein Köperteil, ein Bein oder ein Arm. Ich definiere mich über meine Musik. Wer mich als Sänger nicht akzeptiert, akzeptiert den wichtigsten Teil von mir nicht.

Jetzt wisst Ihr hoffentlich ein bisschen mehr über Pascal Camenzind alias "Camen". Im nächsten Tagebuch-Bericht möchte ich Euch gerne erzählen, wie mein Konzert am "MundArt-Festival" in Brütten lief.

Bis dann wünsche ich allen eine schöne und glückliche Zeit.

Euer Camen

Camen als Kinderstar


1. Band: Mighty Sharp


Vorband von DJ Bobo


Camen mit Justin Timberlake



03.06.2007: Konzert in Brütten am MundArt-Festival

Auffallend oft wurde ich gefragt, wieso ich am MundArt-Festival in Brütten auftrete wenn ich doch gar kein "Mundart" mache sondern auf Englisch singe. Ich gebe es zu, der Name des Festivals hat etwas Irreführendes. Die Erklärung ist jedoch einfach: "MundArt" steht nicht für "Dialekt" sondern für die "Kunst mit dem Mund" und da passe ich doch hin, oder? ;-)

Endlich war es soweit, meine Band und ich spielten unser erstes Festival diesen Sommer. Ich freute mich sehr auf diesen Tag. Erstens weil ich mich immer freue wenn ein Konzert ansteht, zweitens weil das MundArt-Festival ein renommiertes Festival in der Nähe meiner Heimatstadt Winterthur ist und drittens weil wir den Abend zusammen mit der Basler Band Lovebugs bestritten, was ich als spannend und herausfordernd betrachtete. Auf dem Papier sind die Lovebugs der bekanntere Act als "Camen" und ich wusste, dass unter den Festival-Besuchern viele Lovebugs-Anhänger sein würden obwohl ich natürlich auch auf zahlreiche Camen-Fans hoffte! Stilistisch unterscheide ich mich von den Lovebugs ziemlich stark. Funkig/poppig angehauchte Soulmusik gegen melodiösen/erdigen Gitarren-Rock könnte man sagen. Dies soll jedoch in keinster Weise den Eindruck erwecken, dass ich diese Stilrichtungen oder Bands gegeneinander ausspielen möchte, denn Musik macht man nie gegeneinander sondern immer miteinander. Ich denke genau durch solche Kombinationen wird dem Publikum ein abwechslungsreicher und interessanter Abend geboten, der das Eintrittsgeld Wert ist. Trotzdem war ich natürlich gespannt, wie die Lovebugs-Fans meine Musik aufnehmen würden.

Als meine Band und ich um ca. 20 Uhr die Bühne betraten, machte das Publikum vorerst einen eher verhaltenen Eindruck. Von den Besuchern die extra für "Camen" gekommen waren, wurden wir zwar lautstark bejubelt, der andere Teil des Publikums hielt sich aber vornehm zurück. Wenn man eine Band nicht genau kennt, ist eine skeptische Grundhaltung normal. Mir persönlich geht das genau so bei Bands die ich noch nie live gesehen habe. Ich bin mir sicher, da gab es einige die sich fragten: "Wer ist denn dieser Camen genau?", "war der nicht mal mit DJ Bobo auf Tournee?", "hat der den Live überhaupt was drauf?". Interessanterweise wissen noch immer viele Leute nichts von meinen Livequalitäten oder haben ein falsches Bild von mir. Ich glaube es liegt an der Art und Weise wie ich vermarktet wurde als ich meinen ersten Plattenvertrag hatte. Ich war beim DJ Bobo-Management unter Vertrag, tourte damals mit Bobo und *N Sync. Bobo und das Management machten einen wirklich guten Job, und ich hatte ein Album mit mehrheitlich selbst geschriebenen Songs in den Charts. Aufgrund dieser Zusammenarbeit und der angewendeten Marketingstrategie bildete sich jedoch in einigen Kreisen das Vorurteil, ich sei eine Art "Boygroup", ein Retortenprodukt. Damit habe ich heute teilweise noch zu kämpfen. Sehr ironisch, wenn man bedenkt, dass ich einer der ersten Schweizer meiner Generation war, der mit Liveband spielte (als 15jähriger z.B. im Vorprogramm von Chaka Khan) und seine Songs selber schrieb. Ich sang jede Note in meinem Leben live und wehrte mich stets gegen Playback-Auftritte. "Camen" ist und war schon immer das pure Gegenteil eines Retortenacts. Mittlerweile weiss ich aber, dass im Musikbusiness in erster Linie das Image zählt. Egal was ein Sänger kann, wie viel er leistet, wie talentiert er ist; er ist immer nur so gut wie sein Image. Dies kann ein Nachteil aber auch ein Vorteil sein: Wenn ein Künstler durchschnittlich begabt ist aber ein tolles Image kreiert wurde, wird er von allen bewundert und ernst genommen. Die Kleider machen Leute, das Image Musiker.

SORRY, nun bin ich ziemlich abgeschweift! Zurück zum Konzert: Diese ersten, vom Publikum her eher verhaltenen Minuten, verunsicherten mich in keinster Weise. Im Gegenteil, es spornt mich an, vor einem kritischen Publikum zu spielen. Ich hatte vom ersten Moment an sehr viel Spass auf der Bühne, zwinkerte meinen Mitmusikern zu und strahlte vermutlich nicht selten über das ganze Gesicht. Kein gespieltes Strahlen sondern ein Gefühl echter Freude. Ich fühle mich auf der Bühne wohl und ich glaube an meine Fähigkeiten als Sänger. Es gibt viele Bereiche im Leben, in denen ich mich unsicher fühle. Nie aber fühlte ich mich auf der Bühne unsicher, nie fühlte ich mich beim Musizieren und Singen unsicher; in diesem Bereich habe ich viel Selbstvertrauen und weiss, dass ich etwas kann. Wenn ich auf der Bühne singe, blühe ich auf. So war ich mir dann auch sicher, das Publikum überzeugen zu können und für uns zu gewinnen. Ich wusste, es würde nicht lange dauern, bis auch der hinterste und letzte Zuhörer merkt, dass hier keine Mogelpackung auf der Bühne steht sondern sechs Musiker, die Ihr "Handwerk" beherrschen und lieben was sie tun. Ich täuschte mich nicht. Schon bald standen wir vor einem mitreissenden, tanzenden und enthusiastischen Publikum, welches unsere Musik und unsere Performance zu schätzen wusste. Auch die Teenager in den vorderen Reihen waren super süss, machten Fotos mit ihren Handys und gaben uns ihren vollsten Support. Wow wow wow sogar ein BH kam geflogen; solche Geschenke liebe ich ;-)! Wir spielten uns mit Freude und toller Unterstützung der Zuschauer durch unser Set und wurden danach vom Publikum für Zugaben auf die Bühne zurückgebeten. Dies ist immer eine wunderschöne Bestätigung, dass man den Leuten etwas Gutes geboten hat. Verschwitzt, glücklich und unter tosendem Applaus verabschiedeten wir uns vom Publikum und verliessen die Bühne.

Nach der Show genoss ich die vielen positiven Resonanzen, die wir von den Leuten bekamen, und ich durfte zahlreiche Autogramme schreiben. Danach hatten wir im Backstage-Bereich viel Spass mit Freunden und dem Personal, welches so wie das gesamte OK-Team einen hervorragenden Job machte. An dieser Stelle ein grosses Kompliment an die gesamte Crew! Hinter der Bühne waren übrigens nicht nur die bekannten Gesichter der Lovebugs anzutreffen sondern ein Weiteres, nämlich das jenige von Sängerin Myrto (Ex Subzonic). Sie ist eine sehr sympathische Frau, die ich schon länger kenne. Mit ihr habe ich mich ebenfalls bestens unterhalten. Myrto spielte übrigens am selben Abend ebenfalls am MundArt-Festival. So um ca. 1 Uhr verabschiedete ich mich dann langsam von all den lieben Leuten. Ich wäre gerne noch geblieben aber man soll ja dann aufhören, wenn's am schönsten ist.

Gemütliches Zusammensein der
Camen-Crew vor dem Konzert.
Hier zu sehen: Drummer Manuel
Römer, Techniker Edis
Kahrimanovic und Saxophonist
Stefan Meister


Camen Backstage vor dem Gig


Camen auf der Bühne


Camen auf der Bühne


Camen und Band verabschieden
sich vom Publikum

Fotos von Fabienne Colombo und Andreas Diezi



25.06.2007: Open Air Hoch-Ybrig

Es war bewölkt als mich der in der Schweiz wohnhafte britische Rock/Blues-Musiker Paul Camilleri und seine Freundin Yasmin um 14 Uhr vor meiner Wohnung mit einem luxuriösen Van abholten. Die Wettervorhersage für das Open Air Hoch-Ybrig verhiess nichts Gutes. Trotzdem war meine Vorfreude auf unser "spezielles" Konzert im idyllischen Hoch-Ybrig gross. Paul Camilleri, renommierter Rock/Blues-Gitarrist und Sänger, lud mich zusammen mit Rocksänger Ivo und Krokus-Sänger Marc Storace zum gemeinsamen "Showdown" am Festival in Hoch-Ybrig ein. Vier unterschiedliche Stimmen (meine wohl die einzige "nicht Rauhe" ;-) abwechselnd und zum Finale sogar im Quartett. Es war nicht das erste Mal, dass ich bei einem solch faszinierenden und spannenden Projekt mit von der Partie sein durfte. Bereits bei Paul Camilleri's "Blues & Beyond-Session" durfte ich mehrere Male dabei sein u.a. an der Expo 02 in Biel und an den Winterthurer Musikfestwochen. Jedes Mal ein fetter Erfolg. Nicht zuletzt durch diese Events kannte ich Marc Storace von Krokus bereits gut, da er ebenfalls jeweils mit dabei war. Auch an Wohltätigkeits-Konzerten sind wir uns schon oft begegnet und haben zusammen gesungen. Man würde nicht glauben, dass zwei solch unterschiedliche Stimmen und Musiker zusammen "funktionieren". Er der Hardrocker mit grosser Vergangenheit; ich der zwanzig Jahre jüngere "Soul-Boy" (mit grosser Zunkunft ;-)! Doch genau dieser Kontrast kam immer gut an, und es fühlte sich nie befremdend an, wenn ich mit Marc im Duett sang. So wusste ich in dieser Hinsicht also genau, was auf mich zukam. Ivo, der ebenfalls mit uns die Bühne rocken sollte, kannte ich dagegen noch nicht. Ich hatte viel von ihm gehört und seine Songs oft am Radio gehört. Ivo da, Ivo dort, jedoch kam es nie zu einer persönlichen Begegnung. Dies sollte sich nun ändern. Im Rahmen der Proben Tags zuvor traf ich ihn kurz aber wir hatten nur noch für ein kurzes "hallo" zeit. Die Proben machten übrigens grossen Spass. Ich sang schon lange keinen Rock mehr (früher als Teenager spielte ich mit meiner ersten Band "Mighty Sharp" oft rockiges Material) und es fühlte sich total befreiend an, Paul's Rocksong "We found love" und "American Woman" von Lenny Kravitz zu singen. Ich fühlte mich so richtig in meine Teenager-Zeit zurückversetzt. Eine Zeit, in der ich so derart unbeschwert Musik machte. Ich traf im Übungsraum zudem auf einen alten bekannten von mir; Paul Camilleri's Bassist Felix Müller. Ihn lernte ich schon Jahre vor meinem ersten Plattenvertrag kennen. Wir arbeiteten damals gemeinsam an musikalischen Projekten und schrieben zusammen Songs. "One Thing", einer unserer gemeinsamen Songs, kam dann sogar auf mein erstes Album. Felix nach langer Zeit wieder zu sehen und mit ihm wieder Musik zu machen, freute mich sehr. Tom Beck, der Schlagzeuger, kannte ich noch nicht aber die Chemie stimmte sofort. Zu Tom Beck sage ich drei Dinge: Geiler Drummer, geiler Look, geile Siäch!

Als wir in Hoch-Ybrig ankamen, trafen wir gleich auf die verschiedensten bekannten Gesichter der Schweizer Musikszene. Vor uns trat die Band Vivian auf und unsere Wettersorgen wurden nicht kleiner. Während dem Konzert von Vivian begann es nämlich sinnflutartig zu regnen. Zuerst trotzte das Publikum dem Wetter, schaute sich unbeirrt weiter das Konzert an. Doch als es dann auch noch zu Hageln begann und man schon beinahe befürchten musste, dass jeden Augenblick eine Schlammlawine vom Berg herunterstürzt, flüchtete ein grosser Teil des Publikums unter ein schützendes Dach oder ins grosse Zelt. Das Wetter verhielt sich gegenüber der Band Vivian nicht fair, denn die Jungs spielten einen starken Gig, der durchaus sonniges Wetter verdient hätte. Allerdings gehört dies wie wir alle wissen eben auch zu einem Openair und die Natur nimmt bekanntlich auf nichts und niemanden Rücksicht, was auch gut ist so. Die Laune liess sich dann auch niemand verderben und sobald sich das Wetter wieder ein wenig beruhigt hatte, fanden die Leute wieder ihren Weg nach draussen. Es klingt kitschig aber es ist wahr: Als Paul Camilleri mit seiner Band unser Konzert eröffnete, hatte es vollständig zu regnen aufgehört und sogar die Sonne zeigte sich wieder! Wir haben den perfekten Moment erwischt! Während Paul und sein Jungs höchsterfolgreich die Bühne rockten, stand ich Backstage auf der Seite und wartete auf meinen Auftritt. Links neben mir stand ein nicht mehr ganz junger Herr mit Sonnenbrille, der ebenfalls auf seinen Auftritt wartete: Polo Hofer. Dann war es soweit: "Camen on stage"! Es war ein schönes Bild, welches sich mir von der Bühne aus bot. Ich schätze, es schauten ca. 1000 Leute zu und hinter den Zuschauern begann die wunderschöne Berglandschaft von Hoch-Ybrig. Was für eine Kulisse. In solchen Momenten würde ich am liebsten ewig auf der Bühne bleiben. Das Publikum war gut drauf und das gesamte Konzert war ein Erfolg. Zum Schluss rockten Paul Camilleri, Ivo, Marc Storace und ich gemeinsam auf der Bühne und wir wurden regelrecht vom Publikum gefeiert. Als Höhepunkt unserer gemeinsamen Show würde ich allerdings Marc Storace's Performance seines Krokus-Überhits "Bedside Radio" bezeichnen; das Publikum flippte während diesem Song sprichwörtlich aus. Das gesamte Konzert ging vorüber wie im Flug und nach ca. neunzig Minuten sassen wir alle gemeinsam wieder in unserer Garderobe.

Den weiteren Abend nutzte ich, um mir Teile der anderen Gigs anzuschauen (schliesslich wollte ich bei "Alperose" oder "Ewigi Liäbi" auch mitgrölen ;-) und mich mit Sänger-Kollegen zu unterhalten. Nirgends ausser an diesem Festival trifft man so viele etablierte Schweizer Musiker auf einen Schlag. Nebst dem üblichen Smalltalk, fand auch ein wirklich interessanter Austausch untereinander statt. Die Ehrlichkeit und Offenheit vieler anwesenden Künstler überraschte mich sehr positiv. Es tat gut, mit Gleichgesinnten über "Freud und Leid" in diesem Geschäft zu reden. Bei einem gemeinsamen Bierchen mit Ivo, lachte ich zum Schluss auch noch einige Tränen. Der Typ hat echt Humor. Ca. um ein Uhr Nachts begaben wir uns dann wieder in den komfortablen Van von Paul und traten die Heimreise an. Hoch-Ybrig war eine weitere schöne Erfahrung auf meinem Weg als Musiker. Hoffentlich bis zum nächsten Jahr! Danke Paul, Yasmin & Co!

P.S. Denise Du häsch mir dä Abig versüesst. You're beautiful

Camen im Gespräch mit QL


Camen, Polo Hofer, Tosi....warten auf ihren Gig


Von Links: Ivo, Techniker Christoph, Marc Storace, Camen, Tom Beck, Felix Müller, Paul Camilleri













Fotos by Yasmin, Anita Weyermann und Pesche Weber



29.07.2007: Gig in der Reithalle

Unser Gig in der Reithalle in Winterthur im Rahmen der offiziellen GE Money Bank Beachsoccer-Party war meiner Meinung nach eines unserer bisher besten Konzerte. Ich hätte mir mehr Leute für den Event erhofft, doch der Abend zeigte, dass nicht die Anzahl Zuschauer für die Qualität und den Spassfaktor eines Konzertes bzw. einer Party ausschlaggebend ist sondern die Stimmung. Mein Ziel war es für ein "neues" Publikum zu spielen, ein Publikum, welches "Camen & Band" noch nie live gesehen hat, und deshalb wurde unser Auftritt im Vorfeld bewusst kaum promotet. Die Party und nicht "Camen" sollte an diesem Abend im Mittelpunkt stehen. Wir übernahmen sozusagen die Rolle des Überraschungs-Acts oder wie man so schön sagt "Special Guest". Dass die Halle nicht voll war, störte mich spätestens nach den ersten drei gespielten Noten nicht mehr, denn ich spürte eine tolle Energie von Seiten der Zuschauer, und wir gaben diese Energie mit viel Spielfreude und einem tollen Set zurück. Ich fühlte mich sehr gut in Form an diesem Abend und auch die Laune der gesamten Band war hervorragend. And dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei Tim Kleinert bedanken, der an diesem Abend Keyboard spielte. Dieser Mann ist weltklasse und es war mir eine Ehre. Ich hatte zudem das Gefühl, der Mix des Sounds war überdurchschnittlich gut. Es ist so, dass ich besonders dann im Element bin, wenn ich spüre, dass die Soundqualität für das Publikum gut ist sowie meine Stimme und somit die Songs deutlich zu hören/fühlen sind. Es ist eine fatale und dumme Angewohnheit vieler Tontechniker, die Stimme des Sängers zu leise zu mischen. Dies macht vieles kaputt weil gutes Songmaterial darunter leidet oder sogar untergeht. Dass die Stimme im Soul und Pop "über allem" stehen muss hat rein gar nichts mit dem "EGO" des Sängers zu tun sondern damit, dass nur dann die Songs (und auch die Texte) richtig zum tragen kommen. Es geht um das Wohl des Gesamten. Wenn die Stimme gut hörbar ist, leben die Songs bzw. die Melodien. Wenn die Songs leben, lebt auch die Band. Wenn die Band lebt, lebt auch die Zuhörerschaft weil sie die Songs fühlen und verstehen kann. Geht die Stimme aufgrund eines schlechten Mixes unter, erkennt man einen guten Song nicht und somit bringt die beste Leistung der Band nichts. Mit Edis Kahrimanovic habe ich endlich einen Techniker, der dies versteht und unterstützt. Toller Sound also in der Reithalle! Die Begeisterung beim Publikum war gross und es stürmten sogar Leute nach dem Konzert meine Garderobe um Alben zu kaufen!!

Ich glaube die ganze Band, bestehend aus Manu, Martin, Edis, Tim und Thomi (leider an diesem Abend ohne Saxophonist Stef), war mit dem Gig sehr zufrieden, nicht wahr Jungs? Wer also noch immer nicht glaubt, dass "Camen & Band" live etwas vom besten ist in der Schweiz (und nicht nur in der Schweiz!!), sollte unbedingt an den nächsten Gig kommen und sich selbst davon überzeugen! Hook, ich habe gesprochen.





Tim Kleinert


Camen & Band (von Links) nach dem Gig: Edis Kahrimanovic, Martin Gisler, Camen, Manuel Römer, Thomi Reinecke, Tim Kleinert



23.09.2007: Ein Konzert-Tag im Leben von Camen

Liebe Leser/Innen, liebes hitparade.ch-Team

Ich möchte mich ganz herzlich bedanken, dass ich während dieses Sommers für Hitparade.ch ein Tagebuch schreiben durfte. Es hat mir grossen Spass gemacht und ich hoffe, ich darf auch nächsten Sommer wieder für hitparade.ch zur Feder greifen. Der Festival-Sommer ist langsam aber sicher zu Ende. Es gab einige sehr schöne und spezielle Momente, die ich erleben durfte. Als Highlights würde ich unser Konzert am Festival in Brütten sowie das Open-Air in Hoch-Ybrig (zusammen mit Paul Camilleri) bezeichnen.

Zum Schluss möchte ich euch gerne ein wenig hinter die Kulissen schauen lassen und für euch beschreiben, wie ich einen Konzert-Tag ganz persönlich erlebe. Musiker schreiben und erzählen oft über ihre Gigs aber selten liest man über die ganz persönlichen Gefühle und Abläufe, die ein solcher Tag mit sich bringt.

Konzert-Tage sind immer etwas Besonderes für die ganze Band. Es sind bei weitem nicht nur die zwei Stunden Konzert am Abend, die den Reiz ausmachen. Es ist viel mehr. Das Ganze hat etwas Magisches. Aber erst einmal der Reihe nach: Für mich beginnt das Konzert jeweils schon mit dem Aufwachen. Der erste Gedanke wenn ich aufwache richtet sich sofort an meinen Gesundheitszustand: Bin ich fit? Keine Halsschmerzen? Keine Erkältung? Falls alles bestens ist, ein erleichtertes Aufatmen. Für einen Sänger ist die Gesundheit der absolut wichtigster Faktor. Eine Erkältung ist der grösste Feind des Sängers; während z.B. ein Schlagzeuger, Keyboarder oder Gitarrist sorglos mit einer leichten Grippe auf die Bühne kann, bedeutet es für einen Sänger oft qualitative Einbussen oder sogar das "out", was sehr frustrierend sein kann. Ist meine Gesundheit gut, sind meine stimmlichen Sorgen in der Regel bereits verschwunden. Ich bin mittlerweile so weit, dass ich bei guter Gesundheit meistens eine stimmliche Topleistung abrufen kann. Meine Stimme ist nicht mehr launisch, das intensive Singen seit frühester Kindheit hat aus mir einen sehr sicheren und soliden Sänger gemacht. Schon bald heisst es dann, Show-Kleider einpacken und sich auf den Weg machen, da die Soundchecks meist nachmittags stattfinden und oft noch ein mehr oder weniger langer Reiseweg zum Auftrittsort bevorsteht. Während diesen Fahrten fühle ich mich eigentlich entspannt und empfinde eine angenehme Vorfreude. Gewisse Gedanken mache ich mir natürlich schon: "Wie wird der Gig werden?", "Hoffentlich ist die Technik bzw. die Soundqualität gut". Ja, ich hasse nichts mehr als schlechten Sound, wofür wir als Band ja nichts können. Eigentlich machen mir jeweils nur die Dinge Sorgen, die wir nicht selber beeinflussen können. Der Sound und die Akustik sind solche Sachen. In dieser Hinsicht bin ich zudem sehr heikel und perfektionistisch und somit nicht leicht zufrieden zu stellen. Natürlich hoffe ich auch immer von ganzem Herzen, dass viele Leute da sein werden und unser Konzert gut ankommt. Je mehr Publikum da ist, desto weniger Nervös bin ich interessanterweise. Ich liebe es und empfinde es als beruhigend, wenn ein Saal, eine Halle, ein Club oder ein Festival-Gelände gerappelt voll ist; das baut mich auf, bringt mich ins Element.

Das Ankommen beim Konzertareal ist ein besonderer Moment, den ich mag; man läuft rein und hat dieses spezielle, freudig angespannte Gefühl im Bauch. Das Fassen der Backstage-Pässe, das Erkunden des Geländes und des Backstage-Bereiches, der Soundcheck, das Begrüssen der Veranstalter und der Crew …es ist immer dasselbe und doch immer wieder von neuem spannend und speziell. Wenn der Schlagzeuger sein Drum checkt, der Keyboarder irgendetwas in die Tasten haut, die Gitarre aufheult, der Bass "slapped" und ich meinen Mikro-Ständer aufstelle und die Wasserflaschen bereitstelle, weiss ich spätestens wieder: ich liebe diese Atmosphäre, würde nichts lieber tun als es mindestens 300 Mal im Jahr zu erleben. Nach einem guten Soundcheck bin ich dann meistens zum ersten Mal wieder richtig entspannt. Ich rufe dann meistens Meine Mutter an und erzähle ihr, dass alles so klingt wie es sollte: "Du kannst mit Papi kommen, es wird gut". Danach (ausser es herrscht Zeitdruck) beginnt eine Phase des "Chillens". Die ganze Band ist dann meistens zusammen, und dies ist wieder ein Moment, den ich sehr geniesse und nie missen möchte. In solchen Momenten verbindet uns viel, wir sitzen alle genau im selben Boot, jeder weiss was der andere fühlt, es ist eine Situation, die man nur im Team erleben kann, eine Situation in der sicher jeder auf den anderen verlassen können muss. Jeder ist gleich wichtig, jeder trägt seinen Teil zum Gelingen des Abends bei. Gibt es etwas Schöneres, als eine Gruppe von Menschen, die zusammen etwas kreiert, in dem alle am selben Strang ziehen? Wie im Sport, gewinnt man zusammen und verliert man zusammen. Ich denke, diese Erfahrungen sind sehr wertvoll und eigentlich würde es jedem Menschen gut tun, diese Erfahrung zu machen. Ich glaube man kann es vergleichen mit einer Seilschaft die einen Berg erklimmen möchte. Man trainiert, arbeitet hart und macht sich zu guter letzt auf den Weg, um gemeinsam den Gipfel zu erklimmen. Es funktioniert nur, wenn die Gruppe harmonisiert. Wir proben, arbeiten hart und betreten zu guter Letzt die Bühne, um gemeinsam ein tolles Konzert zu spielen. Es funktioniert nur, wenn die Gruppe harmonisiert.

Das nächste Mal darf ich diese Magie am 22. November im Albani-Musikclub in Winterthur erleben. Ich freue mich schon jetzt darauf, denn Konzerte im "Albani" sind immer etwas ganz Besonderes. Kommt doch auch und teilt diese Magie mit uns, es würde uns freuen!

Liebe Grüsse und hebed eui sorg

Camen

P.S. Das muss ich noch loswerden, es gehört einfach in mein Tagebuch! Am Musikfestival in Avenches habe ich mein grosses Idol "Terence Trent D'Arby" alias Sananda Maitreya kennen gelernt. Er war einer der weltweit grössten Stars der 80er Jahre und kann locker in einem Atemzug mit Prince und Kravitz genannt werden. Für mich ist er einer der begnadetsten Sänger, Performer und Songwriter aller Zeiten. Ich hätte nie geglaubt, dass ich den Maestro einmal persönlich treffen werde. Von ihm und seiner Frau für meine Stimme und Musik in hohen Tönen gelobt zu werden, war das schönste Kompliment, welches ich bisher in meinem Leben bekommen habe.

Terence Trent D'Arby alias Sananda Maitreya und Camen


Terence Trent D'Arby alias Sananda Maitreya, Camen und Francesca Maitreya


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