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GUUS MEEUWIS IM PHILIPS STADIUM EINDHOVEN (14.06.2009)






Fotos: Regula Dorothea

Am vergangenen Wochenende war es wieder einmal Zeit für jene Konzertreihe, auf die im Grossraum Eindhoven Jung und Alt Jahr für Jahr wartet. Der niederländische Superstar Guus Meeuwis gewann im Philips Stadion, der Fussball-Arena des PSV Eindhoven, an drei Tagen in Serie musikalische Heimspiele. Aus gutem Grund sind die Konzerte des 37-jährigen Barden längst zu generationenübergreifenden Volksfesten geworden.

Wer an einem verlängerten Wochenende rund 100'000 Zuschauer nach Eindhoven zu locken vermag (darunter auch mindestens drei Schweizer Gäste), hat's definitiv geschafft. Als Guus Meeuwis von der Vorgruppe jeWelste, die rockige Versionen von Pop-Klassikern wie "Pour un flirt" oder "Baby One More Time" präsentierten, die Bühne übernimmt, wird er von der Menge herzhaft empfangen. Auf einer Mini-Bühne am Mittelpunkt des PSV-Spielfelds heizt Guus den Fans zunächst mit "'T Dondert en 't bliksemt" ein, der stark an "Go West" erinnernden Marsch-Hymne eines Studentenvereins. Der Song flankiert das Live-Repertoire des Sängers und wird im diesjährigen Konzertprogramm zum Finale noch ein zweites Mal präsentiert.

Von der ersten Sekunde an vermag Guus Meeuwis die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Auf der grossräumigen Open-Air-Bühne prangt ein ins Wappenformat gepacktes G, das das Motto der Konzertserie versinnbildlicht: "Groots met en zachte G". Dieses weiche G ist nicht nur das Startzeichen für den Vornamen des Protagonisten, sondern stammt aus dem Text der Provinzhymne "Brabant". Das "zachte G" charakterisiert den in dieser Region gesprochenen Dialekt. Guus präsentiert mit seiner vielseitigen Live-Band in der Tat eine "groote", prächtige Show. Es ist erstaunlich, welch breites Repertoire der Entertainer bereits sein Eigen nennt, lange bevor er sein 40. Lebensjahr erreicht hat.

Guus Meeuwis hat auch dieses Jahr wieder praktisch alle sein Hits in das enorm kurzweilige Konzertprogramm gepackt. "Ik wil je", "Jouw hand" und das passagenweise an Robbie Williams’ "Let Me Entertain You" angelehnte "Mag ik dansen" sind Songs, die längst zu Live-Klassikern geworden sind. "Ik tel tot 3" präsentiert Guus in einer ungewöhnlichen, doch stimmungsvollen Reggae-Version. In der ersten Konzerthälfte werden die bekannteren Werke mit der einen oder anderen Nummer des neuen Studioalbums "NW8" ergänzt. Bei diesen Liedern wie "Eindeloos" oder "Ik ook van jou" erstaunt die Textsicherheit des Publikums, welches das erst seit wenigen Wochen auf dem Markt befindliche Album, das zum Konzertzeitpunkt die fünfte Woche in Serie auf Platz 1 der Hitparade verbringt, offenbar schon absolut verinnerlicht hat.

Dass Guus in den Niederlanden mittlerweile "on the top" ist, demonstriert die Prominenz des Gaststars, den er dieses Jahr für seine Konzerte gewinnen konnte. Es ist der Entertainer Marco Borsato, der seit Anfang der 90er die niederländischen Hitlisten dominiert. Bezeichnenderweise war es Borsato, der seinen guten Freund Guus im Jahr 2006 motivierte, doch ebenfalls Open-Air-Konzerte im Philips Stadion zu spielen. Ausdruck des freundschaftlichen Verhältnisses der beiden niederländischen Musikikonen ist das gemeinsam vorgetragene Duett "Dochters", nach dem sich Borsato unter frenetischem Applaus verabschiedet. ("Dochters" war im Herbst 2008 Borsatos letzte Plazierung in den holländischen Charts und notabene sein 10. Nummer-1-Hit in Folge.)

Auch im weiteren Konzertverlauf lässt Guus nichts anbrennen. Das nächste Lied - "Het is en nacht (Levensecht)" - ist in Holland nunmehr dermassen zum kulturellen Gemeingut geworden, dass die ersten Takte ausreichen, damit das Publikum das hymnische Liebeslied aus voller Kehle intoniert, ohne dass Guus noch aktiv ins Geschehen eingreifen müsste. Dann erzählt Guus von Erlebnissen bei den Aufnahmen seines Albums "NW8", das unter anderem in den legendären Abbey Road Studios in London entstanden ist. Eine musikalische Hommage an die am selben Ort wirkenden Pilzköpfe präsentiert er im Anschluss: "Je leeft 1 keer". Das Publikum tobt.

Die Begeisterung und Euphorie, die er in Holland auszulösen vermag, führt vor Augen: Guus Meeuwis ist auf dem besten Weg, zumindest im Binnenmarkt zum grössten niederländischen Popstar aller Zeiten zu werden. Er würde damit den 2004 verstorbenen André Hazes ablösen, der ihm einen seiner grössten Hits beschert hat: "Geef mij je angst", die niederländische Version eines recht unbekannten Udo-Jürgens-Songs aus dem Jahre 1982. Diese gefühlvolle Ballade sang Guus Meeuwis im Jahr 2004 an der Beerdigung von André Hazes in Amsterdam. Am heutigen Konzertabend präsentiert er das Werk - begleitet von rund 35'000 Fankehlen und dem Pianisten Jan Willem Rozenboom – abermals von der kleinen Bühne am Mittelkreis aus.

Magisch ist die Stimmung auch bei "Brabant", der schwungvollen Liebeserklärung an Guus' Heimatregion. Kurz vor Schluss ist dann der zügigste Partyknaller aller Zeiten fällig: "Per spoor (kedeng, kedeng)", in dessen Verlauf sich auf vielen Rängen im Philips Stadion verbrüdernde Tanzkarossen bilden. Zu den Klängen von "'T Dondert en 't bliksemt" verabschiedet sich der Ausnahmekünstler vom Publikum. Eins ist gewiss: Wer Guus' Show in Eindhoven einmal erlebt hat, wird wiederkommen. Die nächste Gelegenheit bietet sich im Juni 2010. Bis dann, Guus! Bis dann, Eindhoven! Bis dann, Nederland! ... und "dankjewel"!
Crazy Chris / staetz


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