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KROKUS & SUPPORT: CHINA, 1. MAI 2010 EISHALLE DEUTWEG, WINTERTHUR









Grau in grau, Dauerregen. Typisch Schweiz im Frühling. Und mal wieder schaffen es die Veranstalter im Deutweg nicht, die Türen wie angekündigt um 18h zu öffnen – so stehen ca. 3500 hungrige Rock-Animals eine halbe Stunde im Regen und werden durchnässt. Woran es liegt, wurde nicht mitgeteilt. Aber nun gut, erstmal drin eröffnet sich einem die Welt des Rock und deshalb waren wir ja alle gekommen. Vergessen ist die Wasserflut!

Um 20 Uhr standen die Winterthurer Lokal-Heroes um Claudio Matteo - CHINA - auf den Brettern. In den frühen 90ern vermochten sie mit den Alben „Sign In The Sky“ und „Go All The Way“ national für Furore zu sorgen. CHINA legten sich zwar ins Zeugs, doch wie trivial ihre Musik ist, merkte man dann überdeutlich im direkten Vergleich mit KROKUS. Die Jungs hatten zwar Spass und schossen mit Klassikern wie „Rock City“ um sich – an der Gitarre ein Jüngling der Abteilung „Emo meets Rock“. Doch so richtig passte das alles nicht zusammen. Sänger Eric St. Michaels, sicher ein guter Vocalist, versuchte auf gewohnt grenz-arrogante Art und Weise das Publikum zu animieren, doch die sind heute Abend wegen was anderem hier; den wiedervereinigten KROKUS, in Winterthur auf ihrer CH-Tour Halt machend! Nach 45 Minuten hatte man CHINA überstanden und wohl 5 Minuten später wieder vergessen. Die Musik ist einfach zu wenig speziell – sicher, handwerklich war das amtlich, doch eben ohne das gewisse Etwas!

Um 21:15 gingen die Lichter aus und mit dem Überrocker „Long Stick Goes Boom“ stürmten die wiedervereinigten KROKUS die Bühne; spielgeil, hungrig, sympathisch und in bester Laune! Die ersten Akkorde dieses Songs haben eine unglaubliche Kraft und reissen umgehend mit. Die gut 3500 angereisten Rocker gingen mit und klatschen im Rhythmus – zumindest so gut sie konnten.
Dass die Band als Einheit auftritt, wurde anhand des freudigen und gleichzeitig feurigen Stage Actings mehr als ersichtlich. Grad Bassist und Aushängeschild Chris von Rohr hat eine enorm positive Bühnepräsenz, lacht viel, kommuniziert mit dem Publikum, geht immer wieder auf die Knie, um den Leuten näher zu sein. Als Fan fühlte man sich zugehörig – nicht wie bei anderen Bands, wo klar eine unsichtbare, unüberwindbare Barriere der Arroganz und Kälte Band und Publikum entzweien.
KROKUS gaben Gas und schienen um ihr Leben zu spielen, dankbar, nochmals eine Chance zu bekommen, waren sie in den vergangenen Jahren vor der Reunion nicht immer sonderlich glaubwürdig durch unzählige Besatzungswechsel. Die 2010-Formation, die zuletzt 1982 Erfolge feiern konnten, polterte wie eine Herde wild gewordene Büffel auf das Winterthurer Publikum los; hart, ungezähmt, wild! Storace jagte wie ein Derwisch von links nach rechts, klatschte immer wieder Fans in der ersten Reihe die Hände ab und sang souverän wie kein Zweiter die songdienlichen 3 Oktaven. Gross! Fernando von Arb schleuderte sämtliche Soli virtuos, locker und gekonnt vom Griffbrett – sehr beeindruckend, was der Mann alles zu leisten vermochte. Koki Kohler war Mr. Cool; bescheiden, sich zurück haltend und dennoch so wichtig wie die Leadfiguren und auf der Bühne enorm präsent. Und als solides Rhythmus-Groovemonster im Background fungierte der Löwe; Freddy Steady. Zuverlässig, kraftvoll, sattelfest.
Vom aktuellen „Hoodoo“-Album fanden ganze sieben Songs den Weg in die Setlist – darunter die neue Überballade „Ride Into The Sun“, die live eine wunderbar melancholische Atmosphäre erzeugen konnte und ein Gegenpol zu Krachern wie „Heatstrokes“, „Easy Rocker“ oder dem Publikum-Mitgröhlhit „Rock’n’Roll Tonight“ darstellte. Genauso der Klassiker „Screaming In The Night“, der anscheinend alte Erinnerungen aufblitzen liess; neben mir kuschelte sich ein älteres Päärchen lächelnd und sichtlich zufrieden aneinander – einfach magisch schön! Es folgte Kracher um Kracher – „Tokyo Nights“ mit Wahnsinnssolo, „Dirty Street“, bei dem das Tempo-Gitarrenoutro von „Winning Man“ angehängt wurde, auch die Neuankömmlinge „Rock’n’Roll Handshake“ oder „Drive It In“ gliederten sich so ein, dass man glaubte Klassiker wahrzunehmen. Der pumpende Bass von Rohrs fuhr durch sämtliche Glieder und Storaces markdurchdringende Stimme klang zwar nicht so on top wie an seinen besten Tagen, dennoch klingt er live noch immer kraftvoller als sämtliche Konkurrenz und ballerte seine Powerslaven den Zuhörern wie eine Schelle links und rechts um die Ohren – grossartig! Mein persönliches Highlight war der Epic Metal-Track „Fire“; eine Granate, die live gegenüber der Studioversion vom „Metal Rendez-Vous“-Album noch an Wucht zu gewinnen vermag – direkt, knüppeldicke! Dazu diese Symphonie der Gitarren, die sowohl Macht, Kraft und dennoch dieses melancholische Gefühl der Verlorenheit auszulösen vermochte… Kaum in Worte zu fassen! Die Halle dampfte, über die Schulter geguckt sah ich NUR glückliche, strahlende, zufriedene Gesichter, Fäuste wurden gen Himmel gereckt, Textzeilen und Refrains wurden in schlechtem Englisch mitgekräht – ein Miteinander; der Funke sprang über, das Publikum hob gemeinsam mit der Band ab!
„Hoodoo Woman“ entpuppte sich als Liveknaller und konnte der super Stimmung nochmals ein Krönchen aufsetzen, und als dann mit dem Hit-Klassiker „Bedside Radio“ und dem Steppenwolf-Cover „Born To Be Wild“, das auch an diesem Abend nicht nur Song sondern mehr noch Statement war, nach über 100 Minuten dieser Anlass zum Abschluss kam wusste jeder: Gelungen, Mission erfüllt – KROKUS IS BACK!!!
Pillermaik

Linktipps:
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