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DUB SPENCER & TRANCE HILL IM KRAFTFELD AM 18.03.2011

Luzern liegt auf Jamaica, oder so. Gerne als Rock-City gepriesen hat Luzern aber noch mehr zu bieten! Eine Band, die Dub spielt. Eher etwas ungewöhnlich und dünn gesät im Allgemeinen, was aber nicht heisst, dass es nicht möglich ist und es nicht phantastisch tönen kann! DUB SPENCER & TRANCE HILL (Alleine der Name verdient einen Preis!) machen das als Quartett und wuchten Bässe von der Bühne wie selten gehört, so zum Beispiel im Winterthurer Kraftfeld.

Freitagabend, lockeres Beisammensein im kleinen Club auf dem alten Sulzer Areal beim Bahnhof Winterthur. Gut durchmischtes Volk, alle easy drauf, man könnte fast meine, hier passiert heute gar nichts mehr. Gegen 22.30 Uhr schleichen dann die vier Gestalten von DUB SPENCER & TRANCE HILL auf die Bühne. Wer sie vorher nicht kannte wird erstaunt sein, dass sie zumindest mal optisch kein einziges Klischee erfüllen mögen. Sie spielen Dub, Reggae- aber wer nun irgendwelche Typen mit Rastas erwartet, Shirts und Käppis in grün-gelb-rot oder was man auch immer vermuten könnte – nichts dergleichen.

„The Clashification Of Dub“ heisst ihr neuestes Werk, zwölf „The Clash“- Songs auseinandergerissen, reduziert und mit viel Groove unterlegt. Und mit zwei Titeln aus diesem Album starten sie den Abend. Meine Befürchtungen, dass dies nun zu einem lässig- legèren Downbeat- Abgewixe werden könnte, welches sich nach 45 Minuten schon so was von totgelaufen hat und nur noch dem abgedriftetsten Kiffer gefällt, wurden aber sehr schnell begraben. Sehr schnell wurde klar, dass es für sie auch „live“ kaum Grenzen gibt. Der Dub ist die einzige Konstante, aber die Sounds, die Intensität, die hier abgeliefert werden, sind enorm. Ich mag Reggae, aber wie so oft erlebt an Konzerten, wird es rasch langweilig, es fehlt die Abwechslung, alles ist schnell mal gleich schnell, gleich lang, tönt gleich, blablabla. Nicht aber hier, kann man hier durchaus mal noch den Punk oder Rock durchblicken lassen. RAGE AGAINST THE MACHINE in Dub, das geht nicht ohne die Riffs, es geht aber ganz gut im Reggae- Style, man kann sich das kaum vorstellen, aber wer es mal gehört hat, weiss, was ich meine. Man kann Songs derart ausschlachten und zu etwas Neuem aufbauen, das geht über die allgemeine Vorstellungskraft eines durchschnittlichen Konzertgängers. Und es macht enorm Spass! Irgendwann ist eine Stunde vorbei, der kleine Club groovte mit, alle sind in Bewegung, es wird getanzt, auf der Bühne geschwitzt. Die Delays glühen vermutlich bald, mehr Bass ist kaum möglich, der Gitarre werden ungewohnte Klänge entlockt und an den Drums ein wilder Kerl, der alles vorantreibt und mit Breaks wieder alles aus dem Rhythmus holen kann. Wenn man die Platten etwas durchhört und dann im Club steht, merkt man schnell, hier hat es Platz für Improvisationen, hier wird noch „live“ daran gearbeitet, herrlich.

Die letzten beiden Alben, „Riding Strange Horses“ und „The Clashification In Dub“ sind in dem Sinne reine Cover-Alben, DUB SPENCER & TRANCE HILL aber als Cover-Band zu betiteln wäre auch völlig falsch. Sie gehen viel weiter als das schlichte Covern eines Songs, sie machen neue Werke daraus, die man vielfach am Ende gar nicht mehr mit dem Original vergleichen kann. Und auch wenn- es ist dann jeweils so derart weit weg vom Ursprung, dass man den Vergleich gar nicht mehr machen mag. Aber wer dann in einem Club steht, die Alben und Songs, allenfalls die Originale nicht kennt, der wird nicht merken, ob sie nun was „The Return Of The Supercops“ oder von „Riding Strange Horses“ gespielt haben, zu eigen kommt das daher, was sie bieten.

Gegen Ende des Sets zeigen sie noch auf, was es denn noch mit dem TRANCE HILL im Namen auf sich hat. Ehe man sich's versieht glaubt man sich irgendwo in einem Dance- Club und erfreut sich an den fetten Beats aus den Boxen, irgendwie Streetparade 2002-like, nur immer noch alles „live“ mit konventionellen Instrumenten – phantastisch!!

DUB SPENCER & TRANCE HILL zeigen eindrücklich, dass man jenseits von Pop und Rock durchaus etwas Geiles bieten kann – Klar, Dub und Reggae ist nicht jedermanns Sache. Aber sie sind innovativ und eigen. Jenseits der Grenze, in Deutschland und Frankreich, hat man das längst erkannt, dort haben sie einen exzellenten Ruf und spielen in grösseren Locations. Wäre schön, wenn man ihnen hierzulande auch etwas mehr Beachtung schenken mag.
fuedlibuerger

Linktipps:
Offizielle Seite
Künstlerportal von Dub Spencer & Trance Hill
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