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MARISA MONTE, VOLKSHAUS ZÜRICH, DIENSTAG, 19.9.

Zurück nach Brasilien
Sie kombinierte verschiedenste Stilrichtungen. Sie studierte Operngesang in Italien. Das Resultat blieb für Marisa Monte immer dasselbe: zurück nach Brasilien. Den Heimweh-Brasilianern im Volkshaus Zürich gelang dies ebenfalls, wenn auch nur in Gedanken und für wenige Stunden.


Internationale Berühmtheit erlangten die Brasilianer für ihre heissen Rhythmen des Karnevalsambas, die dröhnenden Trommeltiraden des Axé aus der Provinz Bahia oder den mitreissenden Tropic Funk. Doch vor allem die Brasilianer selber wissen, dass es ihre Musik der leiseren Töne ist, die weltweit unereichbar bleibt.
Die 39-jährige Marisa Monte darf als einer der grössten Stars der Música Popular Brasileira bezeichnet werden. Ihre Songs leihen sich die Leichtigkeit des Bossa Novas, die Emotionen des Sambas Cancãos und die Virtuosität des Choros. Elektronik und wellenartige Intonationen geben dem Sound einen Hauch Triphop. Marisa schulte ihre Stimme zehn Monate an einer renommierten Operngesangsschule in Italien, doch sie merkte bald, dass ihr Herz in Brasilien liegt und kehrte zurück nach Rio. Dort veröffentlichte sie mehrere eigene Alben auf ihrem Label Phonomotor, sang mit Cesaria Evora auf deren "Café Atlantico" und produzierte immer wieder für weitere renommierte Künstler ihres Landes, so unter anderem für Arnaldo Atunes oder Carlinhos Brown.
Marisa Montes einziger Auftritt in der Schweiz der laufenden Welttournee begeisterte das Publikum im bis auf wenige Stehplätze ausverkauften Zürcher Volkshaus auf eindrückliche Weise.
Einer mystischen Königin gleich posiert sich die Sängerin hoch über den neun Begleitmusikern, im Thron der musischen Sinnlichkeit, eingehüllt in ein schlichtes schwarzes Abendkleid dekoriert mit roten Botanikfragmenten - wohl eine jener eigenen Kreationen aus der Zeit, als Marisa Monte ihren Lebensunterhalt als Modedesignerin im Lapaquartier im Herzen von Rio verdiente. Zu ihrer Linken flirtet Pedro Baby mit ihr, dem Publikum und seiner akustischen Gitarre, zu ihrer Rechten erzeugt Dadi Carvalho, einer von Marisas engsten Vertrauten, jene Basstöne, die von den Technikern am Tonmischpult fast störend bevorzugt behandelt werden, und vorne, am Bühnenrand, trägt der Heimweh-Schweizer Marcus Ribeiro am Cello zur Melancholie des Klangteppichs bei.
Von ihrem Thron erhebt sich Marisa Monte erst nach den ersten sechs Balladen. Wie eine Diva längst vergangener Zeiten streckt sie ihre Arme empor, steigt langsam steigt die Treppenstufen herunter, an den Musikern vorbei, dem Publikum entgegen. Dieses reagiert mit frenetischem Jubel. Jeder nur vage angedeutete Schein eines Rhythmus wird bereits zum Tanzen ausgenutzt. Jede Bewegung Montes imitiert.
Das vorwiegend brasilianische Publikum zelebriert die sprichwörtliche Lebensfreude. Marisa Monte ist überrascht ob der Grösse ihrer Zürcher Fangemeinde. Ihre Versuche, auf englisch mit dem Publikum zu konversieren gibt sie bald auf und spricht portugiesisch. Jede einzelne Silbe Ihrer Strophen und Refrains wird lauthals mitgesungen. Der überschwängliche Ausdruck ihrer Heimatverbundenheit sei den Brasilianern in Zürich vergönnt - gerne werden wir uns mit einer Salve helvetischer Urjauchzer revanchieren sollte Patent Ochsner im Carioca-Jazzclub in Downtown Rio de Janeiro einmal die ersten Takte der "Venus vo Bümpliz" anstimmen dürfen.
swissflake


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